Der Geselle-Unterricht im neunten Jahrgang ist von Geschichte geprägt. Deutsches Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Nationalsozialismus mit Zweitem Weltkrieg. Nicht immer einfach zu verstehen. Bücher und Filme reichen da einfach nicht aus.

Kurzentschlossen plante Herr Papesch deshalb eine Bildungsreise nach Weimar. Innerhalb von zwei Wochen organisiert, besuchten wir zwei Tage lang diesen geschichtsträchtigen Ort.

Natürlich umweltschonend mit dem Zug angereist, besichtigten wir am ersten Tag die Weimarer Innenstadt. Unsere Stadtführer zeigten und erklärten uns 90 Minuten lang bei frostig-kaltem Wetter wichtige Gebäude, Plätze und Denkmäler, die über die „Kulturhauptstadt“ Weimar informieren: Deutsches Nationaltheater, Fürstenhaus, Rathaus, Cranachhaus und Marstall, das Goethe-Schiller-, Wieland- sowie Großherzog Carl-August-Denkmal, um nur einige zu nennen.

Den Abend verbrachten wir dann im modernen A&O Hotel, nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt. Jugendlich eingerichtete Zimmer mit schnellem Wifi, Lobbybar mit leckeren Kaffeespezialitäten und kleinen Snacks sowie hauseigene Leseecke, Billard und Kicker – einfach perfekt zur Entspannung nach der langen Stadterkundung.

Am nächsten Morgen, nach einem leckeren Frühstück, fuhren wir zum Ettersberg. Hier erlebten und erfuhren wir Unglaubliches über die dunkelste Vergangenheit Deutschlands. Von Juli 1937 bis April 1945 betrieb die SS dort das Konzentrationslager Buchenwald. Dort inhaftierten die Nazis 280.000 Menschen aus über 50 Nationen. Über 56.000 von ihnen, darunter 11.000 Juden, wurden von der SS ermordet oder starben qualvoll durch Erschöpfung, Hunger, Folter und medizinische Experimente. Von August 1945 bis Februar 1950 nutzte aber auch die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände als Internierungslager (Speziallager 2). Bis 1950 hielt sie hier 28.000 Menschen gefangen, über 7.000 starben.

Bei unserem Rundgang durch das Lager regnete es, es war kalt und windig. Wir konnten uns nirgendwo „verstecken“ und froren. Aber so gewannen wir wenigstens einen kleinen Eindruck, wie die Gefangenen bei den oft Stunden dauernden Appellen gelitten haben. Krematorium, Genickschussanlage und die kargen, unmenschlichen Gefängniszellen waren schockierend und bedrückend.

Weimar ist spannend. Hier wurde erstmals ein demokratisches Deutschland geschaffen. Aber es auch Beispiel für Ausgrenzung, Gewalt und Verbrechen. Wir fanden: „Es hat sich gelohnt. Geschichte wird lebendig und nachvollziehbar. Ein Muss für jeden Schüler.“